Prozesse

Dokumentenmanagement: So organisieren Sie Dokumente zentral und effizient

Wenn niemand weiß, wo die aktuelle Version liegt, kostet das Zeit und Nerven. Lernen Sie, wie Sie Dokumentenmanagement professionell aufsetzen.

7. Januar 2026 · 7 Min. Lesezeit

Das Dokumenten-Chaos

"Wo ist die aktuelle Version?"

"Wer hat das Dokument zuletzt bearbeitet?"

"Ist das noch gültig?"

"Das war doch in einer E-Mail..."

Diese Fragen kosten Zeit. Studien zeigen: Mitarbeiter verbringen 20-30% ihrer Arbeitszeit mit Suchen.

Was ist Dokumentenmanagement?

Dokumentenmanagement (DMS) umfasst:

  • **Erstellung:** Vorlagen, Standards
  • **Ablage:** Struktur, Ordnersysteme
  • **Versionierung:** Wer hat wann was geändert?
  • **Suche:** Schnell finden, was man braucht
  • **Archivierung:** Aufbewahrung, Löschung
  • **Zugriff:** Wer darf was sehen/bearbeiten?

Die Ordnerstruktur

Prinzip 1: Maximal 3 Ebenen

Je tiefer die Struktur, desto schwieriger die Navigation.

Gut: /Kunden/Musterfirma/Angebote

Schlecht: /Vertrieb/DACH/Deutschland/Bayern/Großkunden/Musterfirma/2025/Angebote

Prinzip 2: Einheitliche Benennung

Konventionen für Ordner- und Dateinamen.

Dateinamen-Konvention:

[Datum]_[Typ]_[Kunde/Projekt]_[Version]

Beispiel: 2026-01-15_Angebot_Musterfirma_v2.pdf

Prinzip 3: Keine persönlichen Ordner für Unternehmensdaten

"Meine Dokumente" auf dem lokalen Rechner = Risiko.

Alles Geschäftliche gehört ins zentrale System.

Beispiel-Struktur (Mittelstand)

  • /01_Kunden/[Kundenname]/Angebote, Verträge, Korrespondenz, Projekte
  • /02_Intern/HR, Finanzen, Marketing, Vertrieb
  • /03_Vorlagen/Angebote, Verträge, Präsentationen
  • /04_Archiv/[Jahr]

Versionierung

Problem ohne Versionierung

  • final.docx
  • final_v2.docx
  • final_v2_korrigiert.docx
  • final_FINAL.docx

Lösungsansätze

Manuelle Versionierung:

Versionsnummer im Dateinamen (v1, v2, v3).

Alte Versionen in Archiv-Ordner.

Automatische Versionierung (DMS-Software):

System speichert automatisch alle Versionen.

Änderungshistorie sichtbar.

Rollback möglich.

Cloud-Kollaboration:

Google Docs, Microsoft 365: Automatische Speicherung.

Versionshistorie integriert.

Gleichzeitige Bearbeitung möglich.

Zugriffsrechte

Prinzip: Need-to-know

Jeder sieht nur, was er braucht.

Typische Rechtestufen

  • **Lesen:** Dokument ansehen
  • **Bearbeiten:** Änderungen vornehmen
  • **Freigeben:** Für andere freischalten
  • **Löschen:** Entfernen (oft eingeschränkt)

Umsetzung

  • Berechtigungsgruppen (z.B. "Vertrieb", "Buchhaltung")
  • Ordner-basierte Rechte
  • Individuelle Freigaben für Ausnahmen

DMS-Software

Einfache Lösungen (für den Start)

  • **Google Drive/Workspace:** Cloud-basiert, kollaborativ
  • **Microsoft 365/SharePoint:** Integration mit Office
  • **Dropbox Business:** Einfache Ablage, gute Sync

Spezialisierte DMS

  • **Docuware:** Mittelstands-fokussiert
  • **ELO:** Deutscher Anbieter, umfangreich
  • **M-Files:** Metadata-basiert, intelligent

Auswahlkriterien

  • Benutzerfreundlichkeit
  • Integration mit bestehenden Tools
  • Suchfunktion
  • Mobile Zugriff
  • Sicherheit/Datenschutz
  • Preis/Lizenzmodell

Digitale Archivierung

Gesetzliche Anforderungen (Deutschland)

  • **Handelsrechtlich:** 6-10 Jahre Aufbewahrung (je nach Dokumenttyp)
  • **GoBD:** Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung und Dokumentation
  • **Revisionssicherheit:** Dokumente dürfen nachträglich nicht verändert werden

Praktische Umsetzung

  • Archiv-Ordner mit Jahresstruktur
  • Automatische Archivierung nach Projektabschluss
  • Löschkonzept (was wird wann gelöscht?)
  • Backup-Strategie

Workflows und Freigaben

Dokumenten-Workflows

Automatisierte Abläufe für wiederkehrende Prozesse.

Beispiel: Rechnungsfreigabe

  1. Rechnung eingang (Scan/E-Mail)
  2. Automatische Weiterleitung an Fachabteilung
  3. Sachliche Prüfung
  4. Freigabe durch Vorgesetzten
  5. Weiterleitung an Buchhaltung
  6. Zahlung

Freigabeprozesse

  • Wer muss freigeben?
  • In welcher Reihenfolge?
  • Was passiert bei Ablehnung?

E-Mail und Dokumente

Problem

Wichtige Dokumente stecken in E-Mail-Postfächern.

Niemand sonst hat Zugriff.

Lösung

  • E-Mail-Anhänge in DMS ablegen
  • Regel: E-Mail ist Transport, nicht Archiv
  • Verknüpfung zwischen DMS und E-Mail-System

Checkliste: Dokumentenmanagement einführen

  • [ ] Bestandsaufnahme: Welche Dokumente gibt es wo?
  • [ ] Ordnerstruktur definieren
  • [ ] Namenskonventionen festlegen
  • [ ] Tool auswählen (oder bestehendes optimieren)
  • [ ] Zugriffsrechte konzipieren
  • [ ] Altdaten migrieren
  • [ ] Team schulen
  • [ ] Regeln kommunizieren
  • [ ] Regelmäßige Aufräum-Termine planen
  • [ ] Archivierungskonzept umsetzen

Häufige Fehler

Fehler 1: Zu komplexe Struktur

→ Einfach starten, bei Bedarf erweitern.

Fehler 2: Keine Disziplin

→ Regeln verbindlich machen, Führungskräfte gehen voran.

Fehler 3: Doppelte Ablage

→ Eine Quelle der Wahrheit. Verknüpfungen statt Kopien.

Fehler 4: Nie aufräumen

→ Regelmäßige Archivierung (quartalsweise).

Fazit

Gutes Dokumentenmanagement ist unsichtbar – niemand denkt darüber nach, weil alles funktioniert. Schlechtes Dokumentenmanagement kostet täglich Zeit und Nerven.

Der Aufwand für ein sauberes System zahlt sich schnell aus: Weniger Suchen, keine Versionskonflikte, klare Zuständigkeiten.

Starten Sie mit einer einfachen Struktur und klaren Regeln. Die Perfektion kommt mit der Zeit – Hauptsache, Sie fangen an.

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