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Lieferantenmanagement: So steuern Sie Ihre Lieferanten professionell

Gute Lieferantenbeziehungen sind ein Wettbewerbsvorteil. Lernen Sie, wie Sie Lieferanten auswählen, bewerten und entwickeln.

4. Januar 2026 · 8 Min. Lesezeit

Warum Lieferantenmanagement?

Ihre Lieferanten sind Teil Ihrer Wertschöpfung. Ihre Qualität, Zuverlässigkeit und Innovation beeinflussen direkt Ihr Produkt und Ihre Kundenzufriedenheit.

Gutes Lieferantenmanagement bedeutet:

  • Weniger Lieferprobleme
  • Bessere Konditionen
  • Mehr Innovation durch Partnerschaft
  • Reduziertes Risiko

Lieferanten klassifizieren

ABC-Analyse nach Einkaufsvolumen

A-Lieferanten: 70-80% des Einkaufsvolumens, wenige Lieferanten

→ Enge Beziehung, strategische Partnerschaft

B-Lieferanten: 15-20% des Einkaufsvolumens

→ Regelmäßige Reviews, Standardprozesse

C-Lieferanten: 5-10% des Einkaufsvolumens, viele Lieferanten

→ Effizienz, wenig Aufwand

Kritikalität

Wie abhängig sind Sie vom Lieferanten?

  • Gibt es Alternativen?
  • Wie schnell können Sie wechseln?
  • Was passiert bei Ausfall?

Matrix: Volumen × Kritikalität

| | Niedrige Kritikalität | Hohe Kritikalität |

|---|---|---|

| Hohes Volumen | Leverage: Gute Verhandlungsposition | Strategisch: Partnerschaft aufbauen |

| Niedriges Volumen | Unkritisch: Effizienz maximieren | Engpass: Risiko reduzieren |

Lieferantenauswahl

Anforderungen definieren

Bevor Sie suchen, wissen Sie, was Sie brauchen:

  • Technische Anforderungen
  • Mengen und Frequenzen
  • Qualitätsanforderungen
  • Lieferzeiten
  • Budget

Lieferantensuche

  • Bestehende Kontakte
  • Branchenverzeichnisse
  • Messen und Konferenzen
  • Empfehlungen
  • Online-Recherche

Vorauswahl

Erste Filterkriterien:

  • Kann der Lieferant liefern, was Sie brauchen?
  • Passt die Größenordnung?
  • Geografische Lage akzeptabel?
  • Erste Preisindikation im Rahmen?

Detailbewertung

Für die engere Auswahl:

Qualität

  • Zertifizierungen (ISO, branchenspezifisch)
  • Referenzen
  • Muster/Probelieferung

Preis

  • Stückpreis
  • Gesamtkosten (Transport, Handling, etc.)
  • Zahlungsbedingungen

Lieferfähigkeit

  • Kapazitäten
  • Lieferzeiten
  • Flexibilität
  • Lagerbestand

Service

  • Erreichbarkeit
  • Problemlösung
  • Technische Unterstützung

Finanzen

  • Bonität
  • Stabilität

Lieferantenbesuch

Bei strategischen Lieferanten: Vor Ort überzeugen.

  • Produktion ansehen
  • Team kennenlernen
  • Kultur verstehen

Verhandlung und Vertragsschluss

  • Konditionen verhandeln
  • Vertrag ausarbeiten
  • SLA definieren (Service Level Agreement)

Lieferantenbewertung

Regelmäßige Bewertung

Nicht nur bei Problemen – kontinuierlich.

Bewertungskriterien:

  • Liefertreue (pünktlich?)
  • Qualität (Fehlerquote?)
  • Preis (marktgerecht?)
  • Kommunikation (reaktionsschnell?)
  • Innovation (neue Ideen?)

Scoring-Modell

Jedes Kriterium 1-5 bewerten, gewichten, Gesamtscore berechnen.

| Kriterium | Gewicht | Bewertung | Gewichtet |

|-----------|---------|-----------|-----------|

| Liefertreue | 30% | 4 | 1,2 |

| Qualität | 30% | 5 | 1,5 |

| Preis | 20% | 3 | 0,6 |

| Kommunikation | 10% | 4 | 0,4 |

| Innovation | 10% | 3 | 0,3 |

| Gesamt | 100% | | 4,0 |

Feedback-Gespräche

Bewertung mit Lieferant besprechen.

  • Was läuft gut?
  • Wo gibt es Verbesserungsbedarf?
  • Gemeinsame Maßnahmen

Lieferantenentwicklung

Ziel

Strategische Lieferanten aktiv besser machen.

Maßnahmen

  • Technische Unterstützung
  • Schulungen
  • Gemeinsame Prozessoptimierung
  • Qualitätsprogramme
  • Innovationspartnerschaften

Win-Win

Investition in Lieferanten = Investition in eigene Wertschöpfung.

Risikomanagement

Risiken identifizieren

  • Ausfall eines Lieferanten
  • Qualitätsprobleme
  • Preiserhöhungen
  • Lieferengpässe
  • Politische/wirtschaftliche Risiken

Maßnahmen

Dual Sourcing: Mindestens 2 Lieferanten für kritische Materialien.

Sicherheitsbestand: Puffer für wichtige Teile.

Verträge: Absicherung durch Rahmenverträge, Preisgarantien.

Monitoring: Frühwarnsystem für Lieferantenprobleme.

Notfallplan: Was tun bei Ausfall?

Lieferantenportal und Kommunikation

Zentrale Kommunikation

  • Bestellungen
  • Lieferavise
  • Rechnungen
  • Qualitätsmeldungen

Tools

  • EDI (Elektronischer Datenaustausch)
  • Lieferantenportal (einfachere Variante)
  • E-Mail mit klaren Prozessen (Minimum)

Kennzahlen

Liefertreue

Pünktliche Lieferungen / Gesamtlieferungen × 100

Qualitätsquote

Fehlerfreie Lieferungen / Gesamtlieferungen × 100

PPM (Parts Per Million)

Fehlerhafte Teile pro Million gelieferter Teile

Reklamationsquote

Reklamationen / Bestellungen × 100

Einsparungen

Verhandelte Preisreduktionen

Checkliste: Lieferantenmanagement aufbauen

  • [ ] Lieferanten klassifizieren (ABC + Kritikalität)
  • [ ] Strategische Lieferanten identifizieren
  • [ ] Bewertungskriterien definieren
  • [ ] Bewertungssystem einführen
  • [ ] Jährliche Bewertung planen
  • [ ] Feedback-Gespräche führen
  • [ ] Risiken bewerten
  • [ ] Dual Sourcing für kritische Materialien prüfen
  • [ ] Verträge überprüfen und verbessern
  • [ ] Kennzahlen messen und reporten

Fazit

Lieferantenmanagement ist mehr als Einkaufen. Es ist die bewusste Gestaltung von Beziehungen, die Ihren Unternehmenserfolg beeinflussen.

Investieren Sie in Ihre strategischen Lieferanten. Bewerten Sie regelmäßig. Managen Sie Risiken proaktiv.

Die besten Lieferantenbeziehungen sind Partnerschaften, von denen beide Seiten profitieren. Das erfordert Arbeit – aber es lohnt sich.

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