Liquiditätsplanung: So behalten wachsende Unternehmen den Cashflow im Griff
Liquiditätsengpässe sind der häufigste Grund für Insolvenzen. Lernen Sie, wie Sie Ihren Cashflow systematisch planen und steuern.
Warum scheitern profitable Unternehmen?
Ein Unternehmen kann profitabel sein und trotzdem insolvent werden. Der Grund: Liquidität ist nicht gleich Gewinn.
Sie können auf dem Papier Millionen verdienen – wenn die Zahlungseingänge später kommen als die Ausgaben, ist die Kasse leer. Genau das passiert wachsenden Unternehmen erschreckend oft.
Der Unterschied zwischen Gewinn und Liquidität
Gewinn = Einnahmen - Ausgaben (periodengerecht)
Liquidität = Geld auf dem Konto (zeitpunktbezogen)
Beispiel:
- Januar: Auftrag über 100.000€ erhalten
- Februar: Material für 60.000€ eingekauft und bezahlt
- März: Projekt abgeschlossen
- April: Rechnung gestellt
- Juni: Kunde zahlt (Zahlungsziel 60 Tage)
Gewinn: 40.000€ (schon im März buchbar)
Liquidität: Von Januar bis Mai negativ, im Juni positiv
Die Liquiditätsplanung erstellen
Schritt 1: Ist-Analyse
Wo steht Ihr Kontostand heute? Welche Verbindlichkeiten sind offen? Welche Forderungen?
Schritt 2: Einzahlungen planen
- Sichere Einzahlungen (bestehende Verträge, fällige Rechnungen)
- Wahrscheinliche Einzahlungen (erwartete Aufträge)
- Mögliche Einzahlungen (Pipeline)
Wichtig: Realistisch planen. Zahlungsziele berücksichtigen. Erfahrungswerte für Zahlungsverzug einrechnen.
Schritt 3: Auszahlungen planen
- Fixe Auszahlungen (Miete, Gehälter, Versicherungen)
- Variable Auszahlungen (Material, Dienstleister)
- Geplante Investitionen
Schritt 4: Saldo berechnen
Für jede Woche/jeden Monat:
Anfangsbestand + Einzahlungen - Auszahlungen = Endbestand
Schritt 5: Engpässe identifizieren
Wo wird der Saldo negativ? Wie lange? Wie viel?
Planungshorizonte
Kurzfristig (4-8 Wochen)
- Wöchentliche Planung
- Hohe Genauigkeit (±10%)
- Fokus: Zahlungsfähigkeit sichern
Mittelfristig (3-12 Monate)
- Monatliche Planung
- Mittlere Genauigkeit (±20%)
- Fokus: Investitionen und Wachstum planen
Langfristig (1-3 Jahre)
- Quartalsweise Planung
- Szenario-basiert
- Fokus: Strategische Finanzierung
Steuerung der Liquidität
Wenn die Planung einen Engpass zeigt, haben Sie Handlungsoptionen:
Einzahlungen beschleunigen
- Kürzere Zahlungsziele vereinbaren
- Skonto für schnelle Zahlung anbieten
- Anzahlungen verlangen
- Factoring nutzen
- [Forderungen aktiv einfordern](/blog/forderungsmanagement-zahlungseingaenge-sichern)
Auszahlungen verzögern
- Längere Zahlungsziele verhandeln
- Lieferantenkredit nutzen
- Investitionen verschieben
- Leasing statt Kauf
Finanzierung nutzen
- Kontokorrentkredit
- Betriebsmittelkredit
- Gesellschafterdarlehen
- Fördermittel
Typische Liquiditätsfallen im Wachstum
Falle 1: Vorfinanzierung von Großaufträgen
Ein großer Auftrag klingt gut – bis Sie Material, Personal und Monate vorfinanzieren müssen, bevor der Kunde zahlt.
Lösung: Anzahlungen, Teilrechnungen, Meilensteine
Falle 2: Schnelles Wachstum frisst Cash
Mehr Umsatz = Mehr Forderungen = Mehr Kapital gebunden.
Gleichzeitig: Mehr Personal = Mehr Fixkosten = Mehr Auszahlungen
Lösung: Working Capital Management, Wachstumsgeschwindigkeit an Finanzierung anpassen
Falle 3: Saisonale Schwankungen unterschätzen
Viele Branchen haben saisonale Umsatzschwankungen. Die Kosten laufen konstant.
Lösung: Reserven aufbauen, saisonale Kreditlinien
Falle 4: Ein Großkunde dominiert
Wenn 40% des Umsatzes von einem Kunden kommen und der nicht zahlt, wird es kritisch.
Lösung: Diversifikation, Kreditversicherung, laufende Bonitätsprüfung
Kennzahlen für die Liquidität
Cash Conversion Cycle (CCC)
DSO + DIO - DPO
(Days Sales Outstanding + Days Inventory Outstanding - Days Payables Outstanding)
Je niedriger, desto besser. Zeigt, wie schnell Geld durch Ihr Unternehmen fließt.
Current Ratio
Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten
Sollte > 1,2 sein.
Quick Ratio
(Umlaufvermögen - Vorräte) / kurzfristige Verbindlichkeiten
Sollte > 1,0 sein.
Runway
Bei aktuellem Burn Rate: Wie viele Monate reicht das Geld?
Kritisch unter 6 Monate.
Werkzeuge für die Liquiditätsplanung
Minimum:
- Excel/Google Sheets mit wöchentlicher Aktualisierung
- Kontoauszüge regelmäßig prüfen
- Offene-Posten-Liste führen
Besser:
- ERP/Buchhaltungssoftware mit Liquiditätsmodul
- Automatischer Kontoabgleich
- Forecast-Funktion
Ideal:
- Rolling Forecast
- Szenario-Modellierung
- Cash-Pool bei mehreren Konten
Checkliste: Liquiditätsplanung einführen
- [ ] Aktuellen Kontostand erfassen
- [ ] Offene Forderungen listen (mit Fälligkeiten)
- [ ] Offene Verbindlichkeiten listen (mit Fälligkeiten)
- [ ] Fixe monatliche Auszahlungen ermitteln
- [ ] Variable Auszahlungen der nächsten 8 Wochen schätzen
- [ ] Erwartete Einzahlungen der nächsten 8 Wochen schätzen
- [ ] Wöchentlichen Liquiditätsplan erstellen
- [ ] Wöchentlichen Review-Termin setzen
- [ ] Grenzwerte definieren (ab wann Alarm?)
- [ ] Notfall-Optionen vorbereiten (Kredit, Gesellschafter)
Fazit
Liquidität ist Chefsache. Ein profitables Unternehmen kann über Nacht zahlungsunfähig werden – ein gut geplantes Unternehmen nicht.
Investieren Sie 2 Stunden pro Woche in Ihre Liquiditätsplanung. Es ist die beste Versicherung gegen böse Überraschungen.
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