Finanzen

Liquiditätsplanung: So behalten wachsende Unternehmen den Cashflow im Griff

Liquiditätsengpässe sind der häufigste Grund für Insolvenzen. Lernen Sie, wie Sie Ihren Cashflow systematisch planen und steuern.

18. Januar 2026 · 9 Min. Lesezeit

Warum scheitern profitable Unternehmen?

Ein Unternehmen kann profitabel sein und trotzdem insolvent werden. Der Grund: Liquidität ist nicht gleich Gewinn.

Sie können auf dem Papier Millionen verdienen – wenn die Zahlungseingänge später kommen als die Ausgaben, ist die Kasse leer. Genau das passiert wachsenden Unternehmen erschreckend oft.

Der Unterschied zwischen Gewinn und Liquidität

Gewinn = Einnahmen - Ausgaben (periodengerecht)

Liquidität = Geld auf dem Konto (zeitpunktbezogen)

Beispiel:

  • Januar: Auftrag über 100.000€ erhalten
  • Februar: Material für 60.000€ eingekauft und bezahlt
  • März: Projekt abgeschlossen
  • April: Rechnung gestellt
  • Juni: Kunde zahlt (Zahlungsziel 60 Tage)

Gewinn: 40.000€ (schon im März buchbar)

Liquidität: Von Januar bis Mai negativ, im Juni positiv

Die Liquiditätsplanung erstellen

Schritt 1: Ist-Analyse

Wo steht Ihr Kontostand heute? Welche Verbindlichkeiten sind offen? Welche Forderungen?

Schritt 2: Einzahlungen planen

  • Sichere Einzahlungen (bestehende Verträge, fällige Rechnungen)
  • Wahrscheinliche Einzahlungen (erwartete Aufträge)
  • Mögliche Einzahlungen (Pipeline)

Wichtig: Realistisch planen. Zahlungsziele berücksichtigen. Erfahrungswerte für Zahlungsverzug einrechnen.

Schritt 3: Auszahlungen planen

  • Fixe Auszahlungen (Miete, Gehälter, Versicherungen)
  • Variable Auszahlungen (Material, Dienstleister)
  • Geplante Investitionen

Schritt 4: Saldo berechnen

Für jede Woche/jeden Monat:

Anfangsbestand + Einzahlungen - Auszahlungen = Endbestand

Schritt 5: Engpässe identifizieren

Wo wird der Saldo negativ? Wie lange? Wie viel?

Planungshorizonte

Kurzfristig (4-8 Wochen)

  • Wöchentliche Planung
  • Hohe Genauigkeit (±10%)
  • Fokus: Zahlungsfähigkeit sichern

Mittelfristig (3-12 Monate)

  • Monatliche Planung
  • Mittlere Genauigkeit (±20%)
  • Fokus: Investitionen und Wachstum planen

Langfristig (1-3 Jahre)

  • Quartalsweise Planung
  • Szenario-basiert
  • Fokus: Strategische Finanzierung

Steuerung der Liquidität

Wenn die Planung einen Engpass zeigt, haben Sie Handlungsoptionen:

Einzahlungen beschleunigen

  • Kürzere Zahlungsziele vereinbaren
  • Skonto für schnelle Zahlung anbieten
  • Anzahlungen verlangen
  • Factoring nutzen
  • [Forderungen aktiv einfordern](/blog/forderungsmanagement-zahlungseingaenge-sichern)

Auszahlungen verzögern

  • Längere Zahlungsziele verhandeln
  • Lieferantenkredit nutzen
  • Investitionen verschieben
  • Leasing statt Kauf

Finanzierung nutzen

  • Kontokorrentkredit
  • Betriebsmittelkredit
  • Gesellschafterdarlehen
  • Fördermittel

Typische Liquiditätsfallen im Wachstum

Falle 1: Vorfinanzierung von Großaufträgen

Ein großer Auftrag klingt gut – bis Sie Material, Personal und Monate vorfinanzieren müssen, bevor der Kunde zahlt.

Lösung: Anzahlungen, Teilrechnungen, Meilensteine

Falle 2: Schnelles Wachstum frisst Cash

Mehr Umsatz = Mehr Forderungen = Mehr Kapital gebunden.

Gleichzeitig: Mehr Personal = Mehr Fixkosten = Mehr Auszahlungen

Lösung: Working Capital Management, Wachstumsgeschwindigkeit an Finanzierung anpassen

Falle 3: Saisonale Schwankungen unterschätzen

Viele Branchen haben saisonale Umsatzschwankungen. Die Kosten laufen konstant.

Lösung: Reserven aufbauen, saisonale Kreditlinien

Falle 4: Ein Großkunde dominiert

Wenn 40% des Umsatzes von einem Kunden kommen und der nicht zahlt, wird es kritisch.

Lösung: Diversifikation, Kreditversicherung, laufende Bonitätsprüfung

Kennzahlen für die Liquidität

Cash Conversion Cycle (CCC)

DSO + DIO - DPO

(Days Sales Outstanding + Days Inventory Outstanding - Days Payables Outstanding)

Je niedriger, desto besser. Zeigt, wie schnell Geld durch Ihr Unternehmen fließt.

Current Ratio

Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten

Sollte > 1,2 sein.

Quick Ratio

(Umlaufvermögen - Vorräte) / kurzfristige Verbindlichkeiten

Sollte > 1,0 sein.

Runway

Bei aktuellem Burn Rate: Wie viele Monate reicht das Geld?

Kritisch unter 6 Monate.

Werkzeuge für die Liquiditätsplanung

Minimum:

  • Excel/Google Sheets mit wöchentlicher Aktualisierung
  • Kontoauszüge regelmäßig prüfen
  • Offene-Posten-Liste führen

Besser:

  • ERP/Buchhaltungssoftware mit Liquiditätsmodul
  • Automatischer Kontoabgleich
  • Forecast-Funktion

Ideal:

  • Rolling Forecast
  • Szenario-Modellierung
  • Cash-Pool bei mehreren Konten

Checkliste: Liquiditätsplanung einführen

  • [ ] Aktuellen Kontostand erfassen
  • [ ] Offene Forderungen listen (mit Fälligkeiten)
  • [ ] Offene Verbindlichkeiten listen (mit Fälligkeiten)
  • [ ] Fixe monatliche Auszahlungen ermitteln
  • [ ] Variable Auszahlungen der nächsten 8 Wochen schätzen
  • [ ] Erwartete Einzahlungen der nächsten 8 Wochen schätzen
  • [ ] Wöchentlichen Liquiditätsplan erstellen
  • [ ] Wöchentlichen Review-Termin setzen
  • [ ] Grenzwerte definieren (ab wann Alarm?)
  • [ ] Notfall-Optionen vorbereiten (Kredit, Gesellschafter)

Fazit

Liquidität ist Chefsache. Ein profitables Unternehmen kann über Nacht zahlungsunfähig werden – ein gut geplantes Unternehmen nicht.

Investieren Sie 2 Stunden pro Woche in Ihre Liquiditätsplanung. Es ist die beste Versicherung gegen böse Überraschungen.

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