Value-Based Pricing: So gestalten Sie Preise nach dem Kundennutzen
Preise basierend auf Kosten oder Wettbewerb sind oft zu niedrig. Lernen Sie, wie Sie Preise am Kundenwert ausrichten.
Die drei Pricing-Ansätze
Cost-Plus Pricing
Kosten + Marge = Preis
Problem: Der Kunde interessiert sich nicht für Ihre Kosten.
Wettbewerbs-Pricing
Orientierung am Marktpreis.
Problem: Führt zu Preiskampf, ignoriert Differenzierung.
Value-Based Pricing
Preis basiert auf dem Wert für den Kunden.
Vorteil: Höhere Margen, stärkere Positionierung.
Was ist Value-Based Pricing?
Der Preis orientiert sich am Nutzen, den der Kunde erhält – nicht an Ihren Kosten oder Wettbewerbspreisen.
Grundidee:
Wenn Ihr Produkt dem Kunden 100.000€ spart, sind 10.000€ ein fairer Preis – egal ob Ihre Kosten 1.000€ oder 5.000€ betragen.
Wann funktioniert Value-Based Pricing?
Voraussetzungen
- Klarer, messbarer Kundennutzen
- Differenzierung zum Wettbewerb
- Kunden verstehen den Wert
- Zahlungsbereitschaft vorhanden
Besonders geeignet für
- B2B-Lösungen mit ROI
- Spezialisierte Dienstleistungen
- Premium-Produkte
- Innovative Angebote
Weniger geeignet für
- Commodities (austauschbare Produkte)
- Preissensitive Märkte
- Wenn Wert schwer messbar ist
Den Kundennutzen verstehen
Arten von Nutzen
Monetärer Nutzen:
- Umsatzsteigerung
- Kostensenkung
- Zeitersparnis
- Risikoreduktion
Nicht-monetärer Nutzen:
- Komfort/Bequemlichkeit
- Status/Prestige
- Sicherheit/Vertrauen
- Emotionaler Wert
Nutzen quantifizieren
Beispiel Zeitersparnis:
- Aktuell: 10 Stunden/Woche für Aufgabe X
- Mit Ihrer Lösung: 2 Stunden/Woche
- Ersparnis: 8 Stunden × 50€/Stunde = 400€/Woche = 20.800€/Jahr
Beispiel Umsatzsteigerung:
- Aktuelle Conversion Rate: 2%
- Mit Ihrer Lösung: 3%
- Bei 10.000 Besuchern und 100€ Warenkorbwert:
- Zusätzlicher Umsatz: 1.000€/Monat = 12.000€/Jahr
Value-Based Pricing umsetzen
Schritt 1: Idealkunde definieren
Für wen ist der Wert am höchsten?
Fragen:
- Wer hat das größte Problem?
- Wer hat das Budget?
- Wer versteht den Wert?
Schritt 2: Wert quantifizieren
Was bringt Ihre Lösung konkret?
Methoden:
- Kundeninterviews
- Case Studies
- ROI-Rechner
- Benchmarks
Schritt 3: Preis festlegen
Anteil des Werts, den Sie einfangen.
Faustregel:
10-30% des geschaffenen Werts als Preis ist oft akzeptabel.
Beispiel:
Wert für Kunde: 50.000€/Jahr
Preis: 10.000€/Jahr (20% Value Capture)
→ Kunde hat 5:1 ROI
Schritt 4: Wert kommunizieren
Der Kunde muss den Wert verstehen.
Im Vertrieb:
- Aktuelle Situation verstehen
- Kosten des Problems aufzeigen
- Wert der Lösung berechnen
- ROI demonstrieren
Schritt 5: Preis verteidigen
Preisverhandlungen gehören dazu.
Strategie:
- Nicht über Preis verhandeln, sondern über Leistung
- Bei Discount: Leistung reduzieren
- Auf ROI verweisen
- Alternative: Garantie/Performance-basierte Komponente
Pricing-Modelle für Value-Based Pricing
Festpreis mit ROI-Argument
"10.000€ für eine Lösung, die Ihnen 50.000€ spart."
Staffelpreise nach Größe
Größere Kunden haben größeren Wert → zahlen mehr.
Performance-basiert
Preis gekoppelt an Ergebnis.
Beispiel: "X% des Mehrumsatzes"
Hybridmodell
Basispreis + erfolgsabhängige Komponente.
Preisgestaltung kommunizieren
Auf der Website
- Wert vor Preis zeigen
- ROI-Rechner anbieten
- Testimonials mit konkreten Ergebnissen
- Preise im Kontext (z.B. "/Monat", "ab X€")
Im Vertriebsgespräch
- Situation verstehen (Fragen stellen)
- Problem quantifizieren
- Lösung präsentieren
- Wert berechnen (gemeinsam)
- Preis nennen
- ROI zusammenfassen
Einwandbehandlung
"Zu teuer"
→ "Im Vergleich wozu? Schauen wir uns den ROI an..."
"Wettbewerber ist günstiger"
→ "Was bekommen Sie dort? Vergleichen wir den Wert..."
"Kein Budget"
→ "Verstehe. Was kostet Sie das Problem aktuell?"
Häufige Fehler
Fehler 1: Wert nicht kommunizieren
Sie wissen, was der Wert ist – aber der Kunde nicht.
→ Storytelling, Zahlen, Case Studies.
Fehler 2: An falschen Kunden verkaufen
Nicht jeder hat den gleichen Wert von Ihrer Lösung.
→ Idealkunde-Profil schärfen.
Fehler 3: Zu schnell Discount geben
Untergräbt die Value-Argumentation.
→ Wert verteidigen, Leistung anpassen statt Preis.
Fehler 4: Nur rational argumentieren
Kaufentscheidungen sind auch emotional.
→ Gefühle ansprechen (Sicherheit, Erfolg, Anerkennung).
Value-Based Pricing implementieren
Pilotphase
- Mit Neukunden testen
- Feedback sammeln
- Preisbereitschaft validieren
Bestehende Kunden
- Bei Vertragsverlängerung/Upsell
- Wert neu kommunizieren
- Schrittweise Anpassung
Team schulen
- Vertrieb muss Wert-Argumentation beherrschen
- Mindset-Shift von "Preis verkaufen" zu "Wert verkaufen"
Checkliste: Value-Based Pricing einführen
- [ ] Idealkunden-Profil definieren
- [ ] Kundennutzen quantifizieren (Zeit, Geld, Risiko)
- [ ] Value Capture festlegen (% des Werts)
- [ ] Preis ableiten
- [ ] ROI-Argumentation vorbereiten
- [ ] Case Studies mit Zahlen erstellen
- [ ] Vertriebsteam schulen
- [ ] Einwandbehandlung trainieren
- [ ] Bei Neukunden pilotieren
- [ ] Feedback einarbeiten
- [ ] Schrittweise ausrollen
Fazit
Value-Based Pricing ist kein Trick, um mehr zu verlangen. Es ist die faire Verteilung des geschaffenen Werts zwischen Ihnen und Ihrem Kunden.
Der Schlüssel: Verstehen Sie den Wert, den Sie schaffen. Kommunizieren Sie ihn klar. Und haben Sie den Mut, entsprechend zu bepreisen.
Die Kunden, die Ihren Wert verstehen, werden zahlen. Die anderen sind vielleicht nicht Ihre Zielgruppe.
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