Skalierung11 Min Lesedauer

Skalierung · Aktualisiert · 11 Min Lesezeit

Erstmals veröffentlicht am

Digitalisierung im Mittelstand: Womit Sie anfangen und was Sie weglassen

Die meisten Digitalisierungsvorhaben im Mittelstand scheitern nicht an der Software, sondern an der Reihenfolge. So finden Sie das Vorhaben, das sich in diesem Jahr rechnet.

JH

Jonas Höttler

Engpassdiagnose für B2B-Unternehmen · Balane GmbH

Digitalisierung scheitert selten an der Software

Digitalisierung im Mittelstand scheitert selten an der Technik. Sie scheitert an der Reihenfolge: Digitalisiert wird, was sich leicht einkaufen lässt – nicht das, was den Umsatz bremst.

Ein zusammengesetztes Beispielprofil dazu. Die Größenordnungen entsprechen dem, was in dieser Unternehmensgröße typisch ist – es ist kein einzelnes Mandat. Ein Zulieferbetrieb aus dem Maschinenbau, 62 Mitarbeitende, hatte innerhalb von drei Jahren ein CRM, ein Dokumentenmanagement, eine digitale Zeiterfassung und ein Projektwerkzeug eingeführt. Vier Systeme, alle in Betrieb, alle bezahlt. Trotzdem brauchte ein Standardangebot weiterhin elf Arbeitstage, und die Geschäftsführung erfuhr von Terminproblemen nach wie vor freitagnachmittags per Zuruf.

Das ist kein Ausrutscher, das ist das Muster. Wer 20 bis 150 Mitarbeitende führt, hat weder eine IT-Abteilung mit freier Kapazität noch achtzehn Monate Ruhe für ein Transformationsprogramm. Was in dieser Größe funktioniert, ist ein anderer Einstieg: erst den Engpass benennen, dann die Technik danach aussuchen. Dieser Artikel beschreibt, wie das konkret abläuft – inklusive der Stellen, an denen es üblicherweise schiefgeht.

Vier Ebenen von Digitalisierung – nur eine bringt schnell Geld

Der Begriff Digitalisierung ist unbrauchbar geworden, weil er vier verschiedene Dinge meint. Für die Entscheidung, wo Sie anfangen, hilft es, sie auseinanderzuhalten:

  • Digitale Abläufe. Ein bestehender Vorgang wird schneller, weniger fehleranfällig oder unabhängiger von einzelnen Personen. Hier liegt in Betrieben mit 20 bis 150 Mitarbeitenden fast immer das Geld.
  • Digitale Sichtbarkeit. Zustände sind ohne Nachfrage abrufbar: Wo steht der Auftrag, wie ausgelastet ist die Fertigung, welche Marge trägt der Kunde. Das ist die Voraussetzung dafür, dass Führung nicht in Statusrunden verpufft.
  • Digitale Angebote. Das eigene Produkt bekommt einen digitalen Anteil, etwa ein Portal, eine Auswertung oder einen Wartungsdienst mit Daten. Lohnt sich, wenn die ersten beiden Ebenen stehen.
  • Digitale Geschäftsmodelle. Eine andere Art, Geld zu verdienen, etwa Nutzung statt Kauf. Für die meisten Mittelständler eine Frage für später, und keine, die man nebenbei beantwortet.

Wer bei Ebene drei anfängt, während Ebene eins hakt, baut ein Kundenportal auf einen Ablauf, der elf Tage braucht. Das Portal macht die Verzögerung dann nur sichtbarer – für den Kunden.

Der Weg eines Auftrags ist Ihre eigentliche Landkarte

Bevor Sie über Systeme sprechen, brauchen Sie eine Aufzeichnung davon, wie ein Auftrag tatsächlich durch Ihr Haus läuft – nicht wie er laufen sollte. Das Vorgehen dauert einen halben Tag und braucht keine Software:

  1. Nehmen Sie die letzten zehn abgeschlossenen Vorgänge aus dem echten Postfach, nicht aus der Erinnerung.
  2. Tragen Sie für jeden Vorgang die Stationen mit Datum ein: Eingang, Erfassung, Klärung, Kalkulation, Freigabe, Versand.
  3. Setzen Sie sich dazu mit den drei Personen zusammen, die den Ablauf wirklich bedienen – typischerweise Innendienst, Technik und Buchhaltung.
  4. Markieren Sie die Station mit der längsten Liegezeit.

Bei diesem Zulieferbetrieb sah das Ergebnis so aus:

Der Weg einer Anfrage bis zum Angebot

  1. Anfrage geht einTag 0, Sammelpostfach
  2. Innendienst erfasstTag 1
  3. Technische KlärungTag 1 bis 9, wechselnde ZuständigkeitEngpass
  4. Kalkulation und FreigabeTag 10
  5. Angebot beim KundenTag 11
Acht von elf Tagen entfielen auf eine einzige Station, für die es keine feste Zuständigkeit gab. Beispiel aus einem Zulieferbetrieb mit 62 Mitarbeitenden.

Diese Übung ist unbequem, weil sie Zuständigkeiten offenlegt. Sie ist aber die einzige Grundlage, auf der eine Softwareentscheidung überhaupt Sinn ergibt. Kein CRM hätte an den acht Tagen etwas geändert, weil das CRM diese Station gar nicht abbildete – die Klärung lief über Telefon und Zuruf.

Wenn Sie einen schnelleren Einstieg suchen, bevor Sie den halben Tag investieren: Der 2-Minuten-Skalierungs-Check fragt genau die Stellen ab, an denen solche Liegezeiten typischerweise entstehen.

Warum das neue ERP das Problem meistens nicht löst

Der naheliegende Reflex bei zähen Abläufen ist ein größeres System: ein ERP, das alles zusammenführt. In manchen Fällen ist das richtig. In den meisten Fällen passiert Folgendes:

  • Der Ablauf ist nicht zäh, weil Daten fehlen, sondern weil niemand entscheidet. Ein System, das keine Entscheidungen trifft, verschiebt das Warten nur an eine andere Stelle.
  • Die Einführung bindet zwölf bis achtzehn Monate lang genau die Leute, die den Engpass beheben könnten – die erfahrenen Köpfe aus Technik und Innendienst.
  • Nach der Einführung ist der Ablauf derselbe, nur mit Pflichtfeldern.

Ein System kann drei Dinge: Information transportieren, Zustände sichtbar machen und Wiederholungen automatisieren. Es kann keine Zuständigkeit vergeben, keine Priorität setzen und keine Entscheidung treffen. Alles, was im Kern eine Führungsfrage ist, bleibt nach der Einführung eine Führungsfrage – nur mit höheren laufenden Kosten.

Die dritte Variante ist die dankbarste, weil sie sich rechnen lässt. Wo doppelte Tipparbeit entsteht, weil zwei Systeme dieselben Daten führen, und wie man das ohne drittes System auflöst, steht im Artikel zur Systemintegration.

Fünf Reifegrade – und warum Stufe 3 am teuersten ist

Reifegradmodelle sind meistens Beratungsdeko. Dieses hier ist nützlich, weil es erklärt, warum ausgerechnet die Betriebe klagen, die bereits viel investiert haben.

Reifegrade der Digitalisierung

  1. 5Stufe 5: Entscheidungen laufen über ZahlenAuslastung, Durchlaufzeit und Marge sind sichtbar, ohne dass jemand nachfragen muss.
  2. 4Stufe 4: Wiederholungen laufen ohne MenschenStandardvorgänge werden ausgelöst, nicht abgetippt.
  3. 3Stufe 3: Systeme reden teilweise miteinanderHier steht der Großteil der Betriebe mit 20 bis 150 Mitarbeitenden. Doppelte Pflege, doppelte Fehlerquellen.
  4. 2Stufe 2: Digitale InselnExcel, Einzeltools, geteiltes Postfach. Alles digital, nichts verbunden.
  5. 1Stufe 1: Papier und KopfwissenDer Ablauf existiert nur in den Köpfen von zwei bis drei Personen.
Stufe 3 fühlt sich fortschrittlich an und ist die teuerste Stufe: Jede Information wird zweimal gepflegt, und im Zweifel gibt es zwei Wahrheiten.

Der Sprung von Stufe 1 auf Stufe 2 ist billig und wird gerne gefeiert. Der Sprung von Stufe 3 auf Stufe 4 bringt das Geld, wird aber selten angegangen, weil er Entscheidungen über Zuständigkeiten verlangt und nicht nur eine Bestellung.

Ein Erfahrungswert aus den Mandaten: Wer auf Stufe 3 steht, verliert je betroffener Person zwischen drei und fünf Stunden pro Woche allein für Doppelerfassung und Abgleich. Bei acht betroffenen Personen sind das übers Jahr gerechnet über 1.100 Stunden – mehr als eine halbe Stelle, ohne dass in der Buchhaltung je eine Rechnung dafür auftaucht.

Priorisieren: welches Vorhaben zuerst und welches bewusst nicht

Sobald der Ablauf auf dem Tisch liegt, stehen meist zehn bis fünfzehn Ideen im Raum. Die Sortierung braucht nur zwei Achsen: Wirkung auf Umsatz und Durchlaufzeit gegen Umsetzungsaufwand.

Welches Digitalisierungsvorhaben zuerst

Hoher UmsatzhebelGeringer Hebel

Zuerst angehen

  • Feste Zuständigkeit plus Frist für die technische Klärung
  • Angebotsvorlagen mit Freigaberegel
  • Ein gemeinsames Statusfeld für offene Vorgänge

In diesem Quartal starten

Einplanen, aber später

  • Ablösung des Hauptsystems
  • Kundenportal mit Auftragsstatus
  • Durchgängige Stammdaten

Erst nach dem ersten messbaren Ergebnis

Nebenbei mitnehmen

  • Digitale Signatur
  • Urlaubsantrag ohne Papier
  • Rechnungseingang ins Postfach

Bewusst liegen lassen

  • KI-Pilot ohne benannten Anwendungsfall
  • Intranet-Relaunch
  • Datensammlung ohne Fragestellung
In 90 Tagen machbarÜber sechs Monate

Senkrecht: Wirkung auf Umsatz und Durchlaufzeit · Waagerecht: Umsetzungsaufwand

Typische Verteilung nach einer Ablaufaufnahme. Fast alles, was oben links steht, kostet weniger als eine Systemeinführung und wirkt schneller.

Die Versuchung besteht darin, mit dem Feld oben rechts anzufangen, weil es strategisch klingt. Das ist der Klassiker: Das Vorhaben zieht sich über Quartale, die Organisation ermüdet, und die schnellen Hebel bleiben liegen. Beginnen Sie oben links. Ein messbares Ergebnis nach 90 Tagen finanziert die Geduld für das große Vorhaben.

Welche Engpässe in wachsenden Betrieben am häufigsten auftreten und woran Sie sie erkennen, ist unter Wachstums-Engpässe zusammengefasst.

Standard kaufen, selbst bauen oder erst den Prozess ändern

Die dritte Option wird in Digitalisierungsdiskussionen fast immer vergessen und ist häufig die richtige.

AusgangslageRichtige AntwortWarum
Der Ablauf ist branchenüblich und in vielen Betrieben gleichStandardsoftware kaufenBewährt, sofort verfügbar, Support vorhanden. Differenzierung entsteht hier ohnehin nicht.
Der Ablauf ist bei Ihnen anders, weil ihn nie jemand aufgeräumt hatErst den Prozess ändernSonst zementieren Sie eine Eigenheit für die nächsten zehn Jahre und zahlen dafür dauerhaft Anpassungskosten.
Der Ablauf ist bei Ihnen anders, und genau das ist Ihr Vorteil am MarktIndividuell bauenNur hier rechtfertigt der Unterschied die höheren Kosten und die Wartung.
Zwei Systeme führen dieselben DatenSchnittstelle statt drittem SystemDeutlich billiger als eine Ablösung und in Wochen statt Monaten wirksam.
Niemand kann sagen, wer verantwortlich istVorerst gar keine SoftwareEin System ohne Verantwortlichen erzeugt nur eine weitere Datenbank mit veralteten Einträgen.

Ein Beispiel für den Fall, in dem Individualentwicklung tatsächlich richtig war, ist die Dokumenten-App einer Spedition: Der Ablauf am Fahrzeug war der Unterschied zum Wettbewerb, und dafür gab es keine passende Standardlösung.

Cloud oder eigener Server: drei Kriterien statt Bauchgefühl

Die Frage kommt in jedem Projekt und wird meistens weltanschaulich beantwortet. Drei Kriterien reichen zur Entscheidung:

Wer betreibt es im Alltag? Ein eigener Server verlangt Personen, die Updates einspielen, Sicherungen prüfen und im Störungsfall erreichbar sind – auch in der Urlaubszeit. Ist diese Rolle nicht besetzt und nicht vertreten, ist die Entscheidung bereits gefallen.

Was steht in Ihren Kundenverträgen? Manche Auftraggeber verlangen bestimmte Serverstandorte oder Zertifizierungen. Das ist eine harte Anforderung und keine Geschmacksfrage – prüfen Sie sie, bevor Sie auswählen, nicht danach.

Wie schnell muss es laufen? Gemietete Lösungen sind in Wochen produktiv, eigene Installationen in Monaten. Wenn ein Engpass jetzt Geld kostet, ist das ein gewichtiges Argument.

Zum Datenschutz: Beide Wege lassen sich datenschutzkonform aufsetzen, und beide lassen sich falsch aufsetzen. Entscheidend sind der Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter, der Serverstandort und eine klare Antwort darauf, wer im Haus die Zugriffsrechte vergibt und regelmäßig prüft. Wer diese drei Punkte schriftlich hat, hat den wesentlichen Teil erledigt – beim Anbieter genauso wie im eigenen Serverraum.

Der 90-Tage-Rahmen, den ein Mittelständler durchhält

Programme mit Lenkungskreis und Meilensteinplan sind für Betriebe dieser Größe zu schwer. Was sich in der Praxis durchhalten lässt, sieht so aus:

Woche 1 bis 2 – Aufnahme. Ablauf mit echten Vorgängen dokumentieren, Liegezeiten messen, Engpass benennen. Ergebnis ist eine Seite, die jeder im Führungskreis versteht.

Woche 3 – Entscheidung. Ein Vorhaben aus dem Feld oben links auswählen. Nur eines. Verantwortliche Person benennen, Zieltermin und Messgröße festlegen. Die Messgröße muss eine Zahl sein, die es heute schon gibt.

Woche 4 bis 10 – Umsetzung im Kleinen. Mit einem Team, einer Produktlinie oder einer Kundengruppe starten. Fehler in dieser Phase kosten wenig und lehren viel.

Woche 11 bis 12 – Messen und ausrollen. Vorher-Wert gegen Nachher-Wert. Funktioniert es, wird es auf die restliche Organisation ausgeweitet. Funktioniert es nicht, wird es beendet – und zwar sichtbar, damit die Organisation lernt, dass Beenden erlaubt ist.

Danach beginnt der nächste Durchlauf. Drei bis vier Durchläufe pro Jahr sind realistisch, mehr nicht.

Ergebnis nach zwei Durchläufen

VorherNach sechs Monaten
Durchlaufzeit bis zum Angebot-64 %
11 Tage
4 Tage
Rückfragen je Vorgang-67 %
6
2
Angebote je Monat und Innendienstkraft+57 %
14
22
Erreicht ohne neues Hauptsystem: feste Zuständigkeit für die technische Klärung, Vorlagenbibliothek für Angebote, ein gemeinsames Statusfeld. Zahlen aus dem beschriebenen Zulieferbetrieb.

Die Investition dafür lag im niedrigen vierstelligen Bereich, im Wesentlichen für die Einrichtung von Vorlagen und Feldern in bereits vorhandenen Systemen. Der teuerste Posten war nicht die Software, sondern die vier Wochen, in denen zwei Personen den neuen Ablauf begleitet haben.

Fünf Anzeichen, dass Sie am falschen Vorhaben arbeiten

  • Das Vorhaben lässt sich nicht in einer Kennzahl beschreiben, die es heute schon gibt.
  • Niemand außerhalb der IT fragt nach dem Fortschritt.
  • Der Nutzen tritt erst ein, wenn alles fertig ist.
  • Der Termin wurde zweimal verschoben, ohne dass der Umfang kleiner wurde.
  • Auf die Frage, wer nach dem Start dafür verantwortlich ist, folgt eine Diskussion.

Drei oder mehr Treffer bedeuten nicht zwingend Abbruch. Sie bedeuten, dass das Vorhaben zu groß geschnitten ist. Der Ausweg ist fast immer derselbe: den kleinsten Teil herausschneiden, der für sich genommen einen Nutzen hat, ihn in einem Durchlauf von 90 Tagen fertigstellen und den Rest danach neu bewerten.

Die Menschen sind nicht das Problem – der fehlende Abschalttermin ist es

Der Satz „Technik ist zwanzig Prozent, der Mensch achtzig Prozent“ wird gern zitiert und selten benutzt. In der Praxis heißt Widerstand fast immer eines von drei Dingen:

  • Der alte Weg funktioniert noch. Solange die Excel-Liste parallel läuft, wird die Excel-Liste gepflegt. Ein Umstieg ohne Abschalttermin ist kein Umstieg.
  • Der neue Weg ist für den Einzelnen langsamer. Häufig stimmt das sogar: Der Vertrieb pflegt Daten, von denen die Geschäftsführung profitiert. Wer das nicht ausspricht und ausgleicht, bekommt leere Felder.
  • Es fehlt jemand, der Fragen beantwortet. Zwei benannte Ansprechpartner im Haus ersetzen jede Schulungsunterlage.

Praktisch heißt das: Abschalttermin für den alten Weg festlegen, je Bereich eine Person benennen, die den neuen Weg wirklich beherrscht, und in den ersten vier Wochen wöchentlich zehn Minuten für Rückfragen einplanen. Mehr Veränderungsbegleitung braucht ein Betrieb dieser Größe nicht.

Fördermittel: nützlich, aber kein Kompass

Zu Förderprogrammen nur so viel: Sie ändern sich häufig, laufen aus und werden neu aufgelegt. Prüfen lohnt sich immer über die zuständige IHK oder die Förderdatenbank des Bundes – Konditionen aus einem Blogartikel sind in dieser Frage grundsätzlich veraltet.

Wichtiger ist die Haltung dazu: Fördermittel dürfen den Zeitpunkt beeinflussen, nicht die Reihenfolge. Wer das falsche Vorhaben angeht, weil es dafür Zuschüsse gibt, hat ein bezuschusstes falsches Vorhaben. Zwei Regeln haben sich bewährt: Anträge grundsätzlich vor Projektstart stellen, und kein Projekt starten, das ohne Förderung nicht sinnvoll wäre.

Ihr erster Schritt: zwei Stunden mit zehn echten Vorgängen

Blocken Sie zwei Stunden und tun Sie genau das:

  • Zehn abgeschlossene Vorgänge aus dem echten Postfach heraussuchen
  • Für jeden Vorgang Eingangsdatum und Datum des Angebotsversands notieren
  • Die Differenz ausrechnen und den langsamsten Vorgang genau nachverfolgen
  • Die Station mit der längsten Liegezeit benennen – nur eine
  • Die Prüffrage aus dem Kasten oben darauf anwenden
  • Eine verantwortliche Person und einen Zieltermin festlegen

Das ist noch kein Digitalisierungsprojekt. Es ist die Voraussetzung dafür, dass eines sinnvoll wird. Wer den größeren Rahmen sucht, findet ihn im Leitfaden zur Skalierung.

Fazit: die Reihenfolge entscheidet, nicht das Budget

Digitalisierung im Mittelstand ist kein Programm mit Enddatum, sondern eine Folge kleiner, gemessener Entscheidungen. Die Betriebe, die vorankommen, unterscheiden sich nicht durch Budget oder Technikkompetenz, sondern durch drei Gewohnheiten: Sie messen den Ist-Ablauf, bevor sie kaufen. Sie machen ein Vorhaben zur Zeit fertig. Und sie beenden sichtbar, was nicht wirkt.

Die Frage ist damit nicht, ob Sie digitalisieren. Die Frage ist, welche Station in Ihrem Haus gerade acht Tage kostet – und wer ab Montag dafür verantwortlich ist.

Häufige Fragen

Womit sollte ein mittelständisches Unternehmen bei der Digitalisierung anfangen?
Mit der Aufnahme eines echten Ablaufs, nicht mit einer Softwareauswahl. Nehmen Sie zehn abgeschlossene Vorgänge, tragen Sie die Stationen mit Datum ein und markieren Sie die längste Liegezeit. Erst wenn diese Station benannt ist, lässt sich beurteilen, ob Software überhaupt das passende Mittel ist.
Was kostet Digitalisierung in einem Unternehmen mit 50 Mitarbeitenden?
Die Spanne ist groß, weil sie von der Art des Vorhabens abhängt. Als Erfahrungswert aus den Mandaten: Vorlagen, Felder und Regeln in bereits vorhandenen Systemen liegen meist im niedrigen vierstelligen Bereich, eine Schnittstelle zwischen zwei Systemen im mittleren vierstelligen bis unteren fünfstelligen Bereich, die Ablösung eines Hauptsystems deutlich darüber. Der teuerste Posten ist selten die Lizenz, sondern die interne Zeit während der Einführung.
Brauchen wir für die Digitalisierung ein ERP-System?
Nur dann, wenn das eigentliche Problem darin besteht, dass Daten mehrfach geführt werden und niemand einen verlässlichen Gesamtstand hat. Hakt der Ablauf dagegen, weil Zuständigkeiten oder Entscheidungsregeln fehlen, ändert ein ERP daran nichts – es bindet dann zwölf bis achtzehn Monate lang genau die Leute, die den Engpass beheben könnten.
Wie lange dauert ein Digitalisierungsprojekt im Mittelstand?
Ein einzelnes Vorhaben sollte in 90 Tagen ein messbares Ergebnis liefern: zwei Wochen Aufnahme, eine Woche Entscheidung, sieben Wochen Umsetzung im Kleinen, zwei Wochen Messen und Ausrollen. Vorhaben, die deutlich länger laufen, sind meist zu groß geschnitten und sollten geteilt werden. Realistisch sind drei bis vier solcher Durchläufe pro Jahr.
Wer sollte die Digitalisierung im Unternehmen verantworten?
Die Geschäftsführung entscheidet über Reihenfolge und Abschalttermine, weil beides Führungsfragen sind. Die Umsetzung gehört zu der Person, die den betroffenen Ablauf täglich verantwortet – also Vertriebsleitung, Produktionsleitung oder Innendienstleitung. Die IT liefert, sie steuert nicht.
Lohnt es sich, mit der Digitalisierung auf Fördermittel zu warten?
Fördermittel dürfen den Zeitpunkt beeinflussen, nicht die Reihenfolge. Ein Projekt, das ohne Zuschuss nicht sinnvoll wäre, wird durch den Zuschuss nicht sinnvoll. Da sich Programme häufig ändern, prüfen Sie den aktuellen Stand bei Ihrer IHK oder in der Förderdatenbank des Bundes – und stellen Sie Anträge grundsätzlich vor Projektstart.

Tiefer einsteigen

Statt weiterzulesen — diagnostizieren lassen

Welcher Engpass bremst Sie gerade wirklich?

Der Skalierungsreport beantwortet genau diese Frage in 7–10 Werktagen: System-Landkarte, Top-5-Engpässe mit Euro-Impact und ein 90-Tage-Plan. Festpreis, Zahlung nach Erhalt.

Weitere Artikel zum Thema